HofWerker Studio

Ratgeber · Technik & Datenschutz · 6 Minuten Lesezeit

Google Maps, Google Fonts & Co.: fremde Dienste auf der Website

Eine Karte, eine Schriftart, ein Video — harmlos, bis man versteht, was beim Aufruf passiert: Die Adresse jedes Besuchers geht an einen fremden Server. Warum das seit einem Urteil aus München ein Thema ist, wie Sie prüfen, was Ihre Seite lädt, und wie es ohne geht.

Die kurze Antwort: Jedes Mal, wenn Ihre Website etwas von einem fremden Server lädt — eine Karte, eine Schriftart, ein Video — bekommt dieser Server die Adresse des Besuchers mitgeteilt. Das ist keine Absicht und kein Fehler, sondern die Art, wie das Internet funktioniert. Aber es bedeutet: Ihre Website gibt Daten an Dritte weiter, ohne dass Sie oder der Besucher etwas davon merken. Für Google Fonts hat das ein Gericht bereits als Verstoß gewertet. Der einfache Ausweg: alles vom eigenen Server laden.

Hier ist, was dabei technisch passiert — und warum es sich so leicht vermeiden lässt.

Was beim Aufruf einer Website von wo geladen wird: eigener Server gegen fremde Server
Was beim Aufruf einer Website von wo geladen wird: eigener Server gegen fremde Server

Was beim Aufruf einer Seite passiert

Wenn jemand Ihre Website aufruft, schickt sein Browser eine Anfrage an Ihren Server: „Gib mir die Seite." Der Server schickt die Seite zurück. In dieser Anfrage steckt zwangsläufig die Adresse des Besuchers im Internet — die IP-Adresse — denn sonst wüsste der Server nicht, wohin er antworten soll. Das ist in Ordnung: Ihr Server, Ihr Vertrag mit dem Anbieter, in Deutschland.

Nun steht in der Seite: „Die Schrift kommt von Google." Also schickt der Browser eine zweite Anfrage — an Google: „Gib mir die Schrift." Auch diese Anfrage trägt die Adresse des Besuchers. Google weiß jetzt: Diese Adresse hat gerade eine Seite aufgerufen, die diese Schrift nutzt. Welche Seite, steht meist gleich mit dabei.

Dasselbe passiert bei einer eingebetteten Landkarte, einem Video von einer Plattform, einem Symbol-Satz, einem Zählwerkzeug, einem Chat-Fenster. Jeder fremde Dienst auf der Seite bekommt beim Aufruf die Adresse des Besuchers — ob der Besucher die Karte ansieht oder nicht.

Warum das ein Thema ist

Eine IP-Adresse gilt als personenbezogenes Datum. Sie an einen Dritten zu übermitteln, braucht einen Grund — und wenn der Dritte außerhalb Europas sitzt, wird die Frage noch etwas schwieriger.

Für Google Fonts hat das Landgericht München I im Januar 2022 entschieden (Az. 3 O 17493/20): Die Einbindung der Schriften direkt von Googles Servern übermittelt die IP-Adresse ohne Einwilligung und verletzt das Persönlichkeitsrecht des Besuchers; dem Kläger wurde ein Schmerzensgeld zugesprochen. Es folgte eine Welle von Abmahnschreiben an Betreiber, die die Schriften so eingebunden hatten — viele davon, ohne es zu wissen, weil ihre Vorlage das von allein tat.

Ich bin kein Anwalt und kann nicht bewerten, wie ein anderes Gericht in einem anderen Fall entscheidet. Aber ich kann sagen, was das Urteil technisch bedeutet: Das Problem war nicht die Schrift. Das Problem war, *woher* sie geladen wurde. Liegt dieselbe Schrift auf dem eigenen Server, gibt es keine zweite Anfrage — und nichts, was übermittelt würde.

Was Ihre Seite gerade lädt — selbst geprüft

Das können Sie in zwei Minuten sehen, ohne etwas zu installieren:

1. Öffnen Sie Ihre Website am Rechner. 2. Drücken Sie F12 — es öffnen sich die Entwicklerwerkzeuge des Browsers. 3. Wählen Sie den Reiter Netzwerk (oder „Network") und laden Sie die Seite neu. 4. In der Liste sehen Sie jede Datei, die geladen wurde — und in der Spalte „Domain" oder in der Adresse, von wo.

Alles, was nicht von Ihrer eigenen Adresse kommt, ist ein fremder Dienst. Bei vielen Seiten sind das dreißig, fünfzig, manchmal über hundert Einträge: fonts.googleapis.com, maps.google.com, youtube.com, dazu Adressen, die Sie noch nie gehört haben. Bei dieser Seite hier ist die Liste kurz: alles von hofwerker-studio.de.

Die häufigsten Fälle — und wie es ohne geht

DienstWas er übermitteltDer Weg ohne
Google Fonts (Schriften)IP-Adresse bei jedem AufrufSchriftdateien auf den eigenen Server legen — sieht identisch aus
Google Maps (Karte)IP-Adresse, auch ohne Klick auf die KarteAdresse als Text plus Link „Route planen", der die Karten-App des Besuchers öffnet
YouTube-VideoIP-Adresse, meist auch CookiesVideo selbst hochladen — oder ein Vorschaubild mit Link, das erst nach Klick lädt
Symbol-Sätze, Skript-BibliothekenIP-Adressedie Dateien auf den eigenen Server kopieren
ZählwerkzeugeIP-Adresse, Verhalten, Cookiesweglassen — warum das reicht
Chat-Fenster, Buchungs-FensterIP-Adresse, oft mehrLink statt Einbettung; oder Anbieter mit Vertrag und Einwilligung

Der Kern ist immer derselbe: Link statt Einbettung, oder Datei auf den eigenen Server. Ein Link übermittelt nichts, bis der Besucher ihn anklickt — und dann ist er nicht mehr auf Ihrer Seite, sondern bewusst bei Google oder YouTube. Das ist seine Entscheidung, nicht Ihre.

Was das mit dem Cookie-Banner zu tun hat

Fremde Dienste sind der häufigste Grund, warum eine Seite überhaupt einen Cookie-Banner braucht: Sie speichern Dinge auf dem Gerät des Besuchers oder übermitteln Daten, wozu es eine Einwilligung braucht. Nehmen Sie die fremden Dienste raus, verschwindet meist der Grund für den Banner gleich mit. Der Zusammenhang steht ausführlich unter Braucht meine Website einen Cookie-Banner.

Und mit der Ladezeit

Jede Anfrage an einen fremden Server ist eine Verbindung, die aufgebaut werden muss, und eine Antwort, auf die die Seite wartet. Fünfzig fremde Anfragen sind fünfzig Wartezeiten. Wer sie entfernt, hat fast immer eine spürbar schnellere Seite — ohne dass sonst etwas geändert wurde. Mehr unter Warum lädt meine Website langsam.

Drei Missverständnisse

„Die Karte ist doch praktisch für die Kunden." Ja — und der Link „Route planen" ist praktischer. Er öffnet auf dem Handy direkt die Navigation, die der Kunde ohnehin nutzt, statt einer kleinen Karte im Kasten, in der man mit dem Finger herumschiebt.

„Ich habe das im Datenschutztext erwähnt, also ist es in Ordnung." Der Datenschutztext informiert. Er holt keine Einwilligung ein. Für die Übermittlung an Dritte braucht es entweder eine Einwilligung vor dem Laden oder eine andere Rechtsgrundlage — und ob die vorliegt, ist genau die Frage, die im Münchner Fall verneint wurde. Was für Ihre Seite gilt, klärt Ihre Kanzlei; der Weg ohne Übermittlung klärt sich von selbst.

„Wenn ich alles rausnehme, sieht die Seite schlechter aus." Nein. Die Schrift ist dieselbe, nur von einem anderen Ort geladen. Die Karte wird zum Link. Das Video wird zu einem Bild, das man anklickt. Ein Besucher merkt keinen Unterschied — außer, dass die Seite schneller ist und kein Banner im Weg steht.

Was das bei einer Praxis bedeutet

Bei einer Praxis oder Kanzlei kommt eine Ebene dazu: Die Information, dass eine bestimmte Adresse die Seite „Suchtberatung" oder „Scheidungsrecht" aufgerufen hat, ist selbst schon empfindlich. Dass diese Information nicht nebenbei an einen Kartendienst geht, ist dort kein Feinschliff, sondern Grundvoraussetzung. Was sonst noch für Praxisseiten gilt, steht unter Was gehört auf die Website einer Arztpraxis.

Kurz gesagt: Jeder fremde Dienst auf der Seite bekommt beim Aufruf die Adresse des Besuchers. Schriften auf den eigenen Server, Karte und Video als Link — dann übermittelt die Seite nichts, lädt schneller und braucht meist keinen Banner.

Meine Seiten laden nichts von fremden Servern — nicht als Extra, sondern als Grundregel. Wer eine bestehende Seite hat und wissen will, was sie beim Aufruf nachlädt: Schicken Sie mir die Adresse, ich schaue nach und sage Ihnen, was sich mit wenig Aufwand ändern lässt.

Veröffentlicht am 2. September 2026.

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