Ratgeber · Technik & Datenschutz · 5 Minuten Lesezeit
Braucht eine Firmenwebsite Google Analytics?
Für die meisten Handwerksbetriebe und Praxen: nein. Was ein Zählwerkzeug wirklich zeigt und was es an Bannern und Zeit kostet. Und wie Sie ohne eines herausfinden, ob die Website arbeitet.
Die kurze Antwort: Nein, die meisten Firmenwebsites brauchen kein Google Analytics. Ein Handwerksbetrieb oder eine Praxis will wissen, ob die Website Anrufe bringt — und das verrät kein Besucherzähler, sondern das Telefon. Wer trotzdem Zahlen möchte, hat Wege, die keinen Besucher verfolgen und keinen Banner brauchen.
Das ist keine Grundsatzhaltung gegen Zahlen. Es ist eine Frage von Nutzen gegen Aufwand — und bei den meisten kleinen Betrieben geht die Rechnung nicht auf.
Was ein Zählwerkzeug zeigt — und was nicht
Google Analytics und ähnliche Werkzeuge zeigen Ihnen, wie viele Menschen die Seite aufgerufen haben, von wo sie kamen, welche Unterseiten sie angesehen haben und wie lange sie geblieben sind. Dazu kommen Auswertungen nach Gerät, Region und Tageszeit.
Das klingt nützlich. Für einen Online-Shop mit tausend Besuchern am Tag ist es das auch: Dort kann man an solchen Zahlen sehen, an welcher Stelle Leute abspringen, und das ändern.
Ein Dachdecker mit vierzig Besuchern am Tag sieht in denselben Auswertungen: vierzig Besucher. Mal fünfzig, mal dreißig. Die Hälfte hat nur die Startseite angesehen. Was er daraus machen soll, sagt das Werkzeug nicht. Und was er eigentlich wissen will — hat davon jemand angerufen? — steht nirgends, weil ein Anruf für das Werkzeug unsichtbar ist.
| Was Sie wissen wollen | Zeigt ein Zählwerkzeug das? | Was es stattdessen zeigt |
|---|---|---|
| Bringt die Seite Anrufe? | nein | wie oft auf die Nummer getippt wurde — nicht, ob jemand angerufen hat |
| Bringt sie Bewerbungen? | nein | wie oft die Stellenseite aufgerufen wurde |
| Finden Kunden, was sie suchen? | indirekt | wie lange sie bleiben — ohne zu wissen, warum |
| Wie viele Leute waren da? | ja | — |
| Woher kamen sie? | teilweise | Suchmaschine, Link, direkt — nicht: welcher Kunde |
Was es kostet
Nicht Geld — Google Analytics ist in der Grundversion kostenlos. Aber:
Eine Einwilligung. Solche Werkzeuge speichern Informationen im Browser des Besuchers und übermitteln Daten an den Anbieter. Dafür braucht es nach gängiger Auffassung eine Einwilligung, bevor das Werkzeug läuft — also einen Cookie-Banner, und zwar einen, bei dem „Ablehnen" so leicht ist wie „Zustimmen". Was das im Einzelnen bedeutet, steht unter Braucht meine Website einen Cookie-Banner. Ich bin kein Anwalt; wie das für Ihre Seite zu bewerten ist, sagt Ihnen im Zweifel Ihre Kanzlei.
Und damit: schlechtere Zahlen. Das ist die Pointe. Wenn der Banner ehrlich gebaut ist, lehnt ein erheblicher Teil der Besucher ab. Diese Besucher werden nicht gezählt. Sie bekommen also einen Banner, der jeden Besucher stört, und dafür Zahlen, die nur einen Teil der Besucher abbilden. Ein Werkzeug, das Ihnen sagt, dass zwanzig Leute da waren, während es dreißig waren, ist nicht viel wert.
Einen Absatz im Datenschutztext, der gepflegt werden muss, wenn sich beim Anbieter etwas ändert — und bei Google ändert sich regelmäßig etwas.
Ladezeit. Ein weiteres Skript von einem fremden Server. Mehr dazu unter Warum lädt meine Website langsam.
Ihre Zeit. Ein Zählwerkzeug, in das niemand hineinschaut, ist reine Belastung. Und meine Erfahrung ist: Nach dem zweiten Monat schaut niemand mehr hinein.
Wie Sie ohne Werkzeug erfahren, ob die Website arbeitet
Fragen Sie. „Wie sind Sie auf uns gekommen?" Am Telefon, beim ersten Termin, auf dem Auftragszettel. Das ist die genaueste Messung, die es gibt, und sie kostet nichts. Ein Strich auf einer Liste hinter der Theke reicht.
Zählen Sie Anrufe und Anfragen, nicht Besucher. Wenn Sie nach der neuen Seite mehr Anrufe haben als vorher, arbeitet sie. Wenn nicht, hilft Ihnen auch die Besucherzahl nicht weiter.
Nutzen Sie das Server-Logbuch. Jeder Webserver schreibt ohnehin mit, welche Seiten wann aufgerufen wurden — das ist technisch nötig, um die Seite auszuliefern, und steht in jeder Datenschutzerklärung als „Server-Logfiles". Daraus lässt sich ohne fremdes Werkzeug, ohne Cookie und ohne Banner eine einfache Übersicht machen: wie viele Aufrufe, welche Seiten, von welcher Art Gerät. Keine Verfolgung einzelner Besucher, keine Profile — nur Zahlen. Für einen Handwerksbetrieb reicht das vollkommen.
Schauen Sie in die Google Search Console. Das ist ein kostenloses Werkzeug von Google, das Ihnen zeigt, für welche Suchbegriffe Ihre Seite in den Ergebnissen erscheint und wie oft sie angeklickt wurde. Es läuft nicht auf Ihrer Website, sondern bei Google — es verfolgt keine Besucher, braucht keinen Banner und beantwortet die Frage „Findet man mich?" besser als jedes Zählwerkzeug.
Wann ein Zählwerkzeug doch sinnvoll ist
- Sie betreiben einen Online-Shop oder eine Seite, auf der Kunden etwas abschließen — dort kann man an Abbrüchen wirklich lernen.
- Sie schalten bezahlte Anzeigen und wollen wissen, welche Anzeige was bringt.
- Sie veröffentlichen regelmäßig Inhalte und wollen wissen, welche gelesen werden.
Dann lohnt es sich — und dann lohnt es sich auch, einen Anbieter zu wählen, der ohne Cookies auskommt und die Daten in Europa verarbeitet. Solche gibt es. Aber das ist ein anderes Thema als „Firmenwebsite mit sechs Seiten".
Ein Missverständnis
„Ohne Analytics weiß ich nicht, ob die Seite bei Google gut steht." Das stimmt nicht — die Search Console zeigt Ihnen genau das, ohne Zählwerkzeug auf der Seite. Analytics zeigt, was Besucher auf der Seite tun. Die Search Console zeigt, ob sie überhaupt kommen. Für die meisten Betriebe ist die zweite Frage die wichtige.
Kurz gesagt: Ein Zählwerkzeug beantwortet die Frage „Wie viele?", aber nicht „Bringt es was?". Für die zweite Frage reicht das Telefon. Wer Zahlen will, bekommt sie aus dem Server-Logbuch und der Search Console — ohne Banner, ohne Verfolgung.
Meine Seiten kommen ohne Zählwerkzeug aus — und damit ohne Banner. Wer trotzdem Zahlen möchte, bekommt sie aus dem Server-Logbuch, ohne dass ein Besucher gefragt werden muss. Wenn Sie das für Ihre Seite klären wollen, sprechen wir darüber.
Passende Beiträge
Veröffentlicht am 2. September 2026.
Eine Frage, die hier nicht steht?
Rufen Sie an. Ich beantworte sie am Telefon genauso ehrlich wie hier — auch dann, wenn Sie am Ende nichts bei mir bestellen.